{"id":29148,"date":"2026-02-26T01:35:58","date_gmt":"2026-02-25T22:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/rhysbener.com\/?page_id=29148"},"modified":"2026-02-26T11:21:07","modified_gmt":"2026-02-26T08:21:07","slug":"artist-statement","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/artist-statement\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstler-Statement"},"content":{"rendered":"<p>Meine k\u00fcnstlerische Praxis basiert auf der Vorstellung eines universellen menschlichen Leidens. Dieses Leiden begreife ich nicht als individuelle Traumatisierung, dramatische Erz\u00e4hlung oder emotionale Zurschaustellung, sondern als einen sich wiederholenden und unausweichlichen Zustand, der tief in die Geschichte der Menschheit eingeschrieben ist. Religion, S\u00fcnde, Lust, Scham und Machtstrukturen bilden die zentralen Felder, in denen ich untersuche, wie dieses Leiden am K\u00f6rper verankert und zugleich diszipliniert wird.<\/p>\n<p>Das Sakrale ist f\u00fcr mich keine erh\u00f6hte Erz\u00e4hlung, sondern eine Form von Notwendigkeit, die Spuren am K\u00f6rper hinterl\u00e4sst. Hingabe, Warten, Hunger, Schweigen und Last erscheinen in meinen Arbeiten nicht als Ereignisse, sondern als reduzierte Zust\u00e4nde. Die Narration tritt zur\u00fcck, die Geste verschwindet, dramatische Kausalit\u00e4t l\u00f6st sich auf. Was bleibt, ist ein Zustand, den der K\u00f6rper annimmt: das gleichzeitige Tragen von Gehorsam und Widerstand.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper ist in meiner Arbeit weder Identit\u00e4t noch Repr\u00e4sentation. Er ist die unmittelbarste Oberfl\u00e4che, auf der moralische und ideologische Systeme wirksam werden. Glaube, Ordnung und Autorit\u00e4t sakralisieren den K\u00f6rper ebenso, wie sie ihn begrenzen. Die Spannung zwischen Lust und Scham formiert sich innerhalb dieser Grenzen. Der K\u00f6rper ist daher weder unschuldig noch erotisch; weder frei noch vollst\u00e4ndig unterdr\u00fcckt. Er existiert durch die Last, die er tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Narrative ziehe ich in meinen Arbeiten bewusst zur\u00fcck. Ich entwickle keine Sprache, die Empathie einfordert, Erkl\u00e4rungen liefert oder emotionale Identifikation verlangt. Diese Arbeiten erz\u00e4hlen keine Geschichten; sie halten einen Zustand an. Derdie Betrachterin ist nicht eingeladen zu verstehen, sondern gezwungen zu verweilen.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz ist unmittelbar mit meiner Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Ikonographie verbunden. In diesen Bildern wird Leiden nicht dramatisiert; es schreit nicht, es gestikuliert nicht. Die Figuren bleiben ruhig, nahezu erstarrt. Diese Ruhe unterdr\u00fcckt den Schmerz jedoch nicht, sondern macht ihn unausweichlich. Auch in meinen Arbeiten wird Leiden nicht ausgedr\u00fcckt, sondern getragen. Schweigen ist daher keine \u00e4sthetische Entscheidung, sondern eine ethische Haltung.<\/p>\n<p>Die Reduktion der Figuren auf vereinfachte und geometrische Strukturen ist kein stilistisches Anliegen, sondern ein bewusster Akt der Kl\u00e4rung. Ma\u00dfgeblich ist hierbei meine N\u00e4he zu jener Denkbewegung des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, die danach strebte, Form vom \u00dcberfl\u00fcssigen zu befreien. Geometrie dient nicht der Idealisierung des K\u00f6rpers, sondern macht die Ordnungen, Zw\u00e4nge und Notwendigkeiten sichtbar, die ihn umschlie\u00dfen. \u00dcberfl\u00fcssiges wird entfernt, weil Leiden keinen Schmuck ben\u00f6tigt. Detail wird reduziert, weil sich Schuld nicht in der Erz\u00e4hlung, sondern in der Form einschreibt.<\/p>\n<p>Die Tradition archaischer Skulptur spielt in diesem Prozess der Reduktion eine zentrale Rolle. In diesen Figuren ist der K\u00f6rper zugleich abstrakt und schwer; von Gesten befreit und durch Last definiert. Auch in meiner Arbeit steht die Figur nicht au\u00dferhalb des Sakralen, sondern ist vollst\u00e4ndig in ihm geformt \u2013 unter seinem anhaltenden Druck.<\/p>\n<p>Mein zentrales Anliegen ist es, universelles menschliches Leiden \u00fcber Glauben und Hingabe sichtbar zu machen, ohne auf dramatische Zuspitzung oder \u00e4sthetische Befriedigung zur\u00fcckzugreifen. Anstatt dendie Betrachterin in das Werk hineinzuziehen, positioniere ich ihn*ihr ihm gegen\u00fcber. Diese Arbeiten tr\u00f6sten nicht, bieten keine L\u00f6sungen und versprechen keine Katharsis. Sie setzen lediglich eine Schwelle.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper, der an dieser Schwelle steht, geh\u00f6rt keinem anderen.<\/p>\n<p>Das Leiden, das dort steht, ist keine Ausnahme.<\/p>\n<p>Diese Arbeiten fungieren als stille, reduzierte und unausweichliche Zeugnisse des fortw\u00e4hrenden Konflikts des Menschen mit seinem eigenen Wesen, seinen Glaubensformen und seinen Begierden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>My artistic practice is grounded in the notion of universal human suffering. I approach this condition not through personal trauma,<\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-29148","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/29148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29148"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/29148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29179,"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/29148\/revisions\/29179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rhysbener.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}